Hornissen

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Freund oder Feind?

Sommerzeit bedeutet, das Leben so gut es geht ins Freie zu verlagern, ins Schwimmbad,  auf dem Balkon, im Garten, in Straßencafés und mehr. Als grobe Belästigung wird zumeist empfunden, wenn mit Beginn des Hochsommers bis in den frühen Herbst hinein viele ungebetene Gäste auftauchen,  die sich zum Essen eingeladen fühlen oder auch nur mal so vorbeischauen. Die Rede ist von Wespen oder – noch schlimmer – von ihren größten Verwandten, den Hornissen, deren Anblick allzu oft Panikgefühle auslöst, was damit endet, dass der gefährliche Feind irgendwie getötet werden muss.

Allerdings: Die Tiere stehen unter Naturschutz. Laut §39  Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten,  „wild lebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten“, auch „Lebensstätten wild lebender Tiere und Pflanzen ohne vernünftigen Grund zu beeinträchtigen oder zu zerstören“. Es können u.U. hohe Bußgelder drohen. Ausnahmen gelten  wenn das eigene Leben bedroht ist oder man von einer unzumutbaren Belastung sprechen kann. Das heißt auf keinen Fall, dass man selbständig ein Nest zu zerstören darf.  In Ermangelung natürlicher Baumhöhlen suchen die Tiere zuweilen einen geeigneten Ersatz, z.B. in einem Schuppen oder Rollladenkasten, was natürlich besondere Ängste auslösen kann. In solchen Fällen kann ein Hornissenbeauftragter hinzugezogen werden, der das Nest zum Schutz der Tiere fachgerecht umsiedelt. Der Weg geht per Antrag über die Umweltbehörde.

„Drei Hornissenstiche töten einen Menschen, sieben Stiche ein Pferd!“  Diesen Satz hat wohl jeder schon in seiner Kinderzeit gehört, um vor den stechenden Monstern zu warnen, dennoch stimmt er nicht. Abgesehen davon, dass bei manchen Menschen sämtliche Insektenstiche schwere allergische Reaktionen hervorrufen können, stellt ein Hornissenstich für den gesunden Menschen keine besondere Gefahr dar, Hornissengift ist nicht toxischer als Bienen- oder Wespengift. Seriöse Berichte über die Wespenarten findet man leider nicht so häufig wie die Horrorgeschichten, die sich in den Medien besser verkaufen.

Am Kaffeetisch wird die Hornisse kaum stören, an Süßem ist sie nicht interessiert. Sie ist grundsätzlich ein friedfertiges Tier, eher scheu und geht Konflikten lieber aus dem Weg. Konfrontationen mit Menschen können eventuell entstehen, wenn sie glauben ihr Nest verteidigen zu müssen. Aber auch die kleinere Verwandte, unsere Deutsche Wespe, die schon etwas aufdringlich werden kann, muss nicht getötet werden. Es gibt etliche Empfehlungen von kompetenter Seite wie die Tiere auf Abstand gehalten werden können.

Eine gute Möglichkeit ist die Tiere einfach abzulenken und z.B. etwas Schinken anzubieten und dabei zuzusehen wie das Tier eifrig Stücke heraussägt und fortträgt. Wer sich an einem solchen Schauspiel nicht erfreuen will, kann versuchen Wespen mit Düften zu vertreiben, die sie nicht mögen. Dazu gehören  Teebaumöl, Basilikum, mit Nelken gespickte Zitronenscheiben, Räucherstäbchen oder Kaffeepulver, dieses angezündet in einem feuerfesten Gefäß. Es wird berichtet, dass eine zusammengeknüllte braune Papiertüte als Attrappe eines bereits besetzten Wespennestes schon erfolgreich die Tiere ferngehalten hat. Ein Versuch ist es wert. Auch etwas Wasser aus der Sprühflasche kann Regen simulieren. Selbstverständlich wird man dennoch darauf achten, das Tier nicht zu drücken, damit es sich nicht mit einem Stich wehren muss und wird auch vorsichtig sein, wenn man ein Glas zum Munde führt.

Viele Menschen sehen keinen ersichtlichen Grund, die Wespenfamilie unter Naturschutz zu stellen. Aber auch sie ist ein wertvoller Teil unseres Ökosystems. An der Bestäubung der Blüten ist sie zwar nicht im gleichen Maß wie die Biene beteiligt, aber sie vertilgt  während ihrer Lebenszeit große Mengen an Schädlingen, so dass bereits die Möglichkeit vorgeschlagen wurde, Wespen als natürliche Schädlingsbekämpfer in der Landwirtschaft einzusetzen (eine Studie des University College London).

 

Quellen: Leitfaden für Wespenberater
Hornissen: Friedliche Brummer (NABU)
Wikipedia